Raus aus dem Erdöl: Landaus GRÜNE unterstützen Offenbacher Bürgerinitiative

Der Vorstand der Landauer GRÜNEN informierte sich auf seiner letzten Sitzung über die geplante Erkundungsbohrung bei bei Offenbach und spricht sich gegen eine weitere Förderung von Erdöl in der Südpfalz aus.

Gerd Müller von der Bürgerinitiative „Kein Erdöl aus Offenbach” war der Einladung des Kreisverbands gefolgt und berichtete über die geplante Erdölförderung zwischen Offenbach und Herxheim.

Zwei Hektar Land zwischen Offenbach und Herxheim hat die Neptune Energy GmbH von der katholischen Kirche erworben, um dort zunächst eine Erkundungsbohrung durchzuführen. Vorangegangen waren seismische Messungen in der Südpfalz, die im Gebiet um Offenbach Erdölvorkommen vermuten lassen. Das Unternehmen ist in der Region bereits seit längerem aktiv und hat beispielsweise in Speyer an zwei Betriebsplätzen allein 2018 etwa 130.000 Tonnen Erdöl aus der Erde befördert. Aktuell laufen Erkundungsbohrungen in Schwegenheim; auch in Otterstadt und Offenbach sind nun solche Bohrungen projektiert, die zeigen sollen, ob dort ausreichend Erdöl vorhanden ist und wirtschaftlich und gewinnbringend gefördert werden kann.

Seit den Sechzigerjahren wird in der Region um Landau Erdöl gefördert. So ist die Firma Wintershall seit 1955 in Landau aktiv und fördert jährlich rund 20.000 Tonnen Erdöl aus Tiefen bis zu 1.800 Metern. Anders als bei den Vertikalbohrungen in Landau mit ihren weithin sichtbaren Pferdekopfpumpen sollen bei Offenbach so genannte „Richtbohrungen“ – horizontal abgelenkte Bohrungen – niedergebracht werden, bei denen die Bohrpfade am Ende in etwa zwei Kilometern Tiefe bis weit unter die Ortslage von Offenbach reichen.

In Speyer hatte Neptune Energy Glück: hier sprudelte das Erdöl durch den natürlichen Lagerstättendruck zunächst von alleine aus der Tiefe. Lässt dieser Druck jedoch nach, wird im Rahmen der Sekundärförderung ein Gemisch aus Wasser und nicht näher bestimmten Additiven unter hohem Druck in das Ölfeld gepresst, um das Öl aus dem Gestein zu lösen und an die Oberfläche zu fördern, so Gerd Müller. Bei der Förderung treten neben dem Öl allerdings auch weitere Stoffe zutage, insbesondere giftiges, aggressives Lagerstättenwasser, aber auch Gase wie Kohlendioxid und Methan. Das geförderte Öl müsse daher vor Ort zunächst aufbereitet und von den Begleitstoffen gereinigt werden, bevor es zur Weiterverarbeitung in die Raffinerie nach Karlsruhe transportiert werden kann. Das bei dieser Reinigung zurückbleibende, mit Additiven und anderen Stoffen verschmutze Wasser werde vor Ort wieder in einer Disposalbohrung ins Erdreich verpresst, um den Lagerstättendruck aufrecht zu erhalten. Je nach geologischer Beschaffenheit des Untergrunds muss dabei noch Grundwasser hinzugefügt werden.

Risiken und Nebenwirkungen

Es sei nicht auszuschließen, dass es bei der Erkundungsbohrung oder später im Verlauf der Förderung zu Erdabsenkungen in der Offenbacher Gemarkung kommen kann, die zu Schäden an Gebäuden und Infrastruktur führen können, mahnte Müller. Einhergehend mit der Förderung sei in der Region zudem mit zusätzlichem Verkehrsaufkommen zu rechnen. Man gehe in Offenbach, Herxheim und Insheim von rund 25 Tanklastwagen pro Tag aus, die das geförderte Rohöl nach Karlsruhe in die Raffinerie transportieren.

Als weitere negative Auswirkungen auf Mensch und Umwelt nennt er mögliche Gefährdungen in Folge von Luft- oder Bodenverschmutzungen in der Umgebung der Förderstätte. Die größte Gefahr sei jedoch eine mögliche Verschmutzung des Grundwassers der gesamten Region. Auch könne es zu einer Absenkung des Grundwasserspiegels kommen, falls zur Aufrechterhaltung des Förderdrucks größere Mengen Grundwasser entnommen werden müssen. 

Bei alledem schreibt das Bundesbergrecht für das geplante Vorhaben gegenwärtig keine weitreichende Umweltverträglichkeitsprüfung vor, da die tägliche Fördermenge von 500 Tonnen nicht überschritten werde.

Proteste vor Ort

Gerd Müller informierte den Vorstand des Kreisverbands auch über die Proteste vor Ort in Offenbach. Dort hat sich die Bürgerinitiative „Kein Erdöl aus Offenbach e.V.“ gegründet, um gemeinsam gegen die geplante Erdölförderung vorzugehen. Drei Informationsveranstaltungen habe man bereits durchgeführt und die Bürgerinnen und Bürger informiert. Man versuche weiterhin, auf die beteiligten Ämter und Institutionen einzuwirken. Da die Förderung von Erdöl aber unter das Bundesbergrecht falle, hätten die betroffenen Kommunen wenig Möglichkeiten, das Vorhaben zu stoppen. So könne man beispielsweise die Nutzung der Wirtschaftswege einschränken oder versuchen, über den Flächennutzungsplan auf das Bauprojekt im Außenbereich Einfluss zu nehmen.

GRÜNE gegen weitere Förderung fossiler Energieträger in der Südpfalz – Wasser kostbarer als Öl

„Als GRÜNE unterstützen wir die Bürgerinitiative „Kein Öl aus Offenbach“ in ihrem Anliegen“, sagt Lea Heidbreder, Vorsitzende des Landauer Kreisverbandes. „In Zeiten des Klimanotstands ist es ein falsches Zeichen, weiterhin an der Förderung fossiler Energieträger festzuhalten. Die Region des Oberrheins ist eines der dichtbesiedelsten Gebiete Deutschlands mit einem der größten Grundwasserleiter Europas, den es unbedingt und vorrangig zu schützen gilt.”

Zwar versichert Neptune Energy, dass Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz absolute Priorität haben, völlig ausschließen kann man eine Gefährdung von Mensch und Umwelt allerdings nicht. So kann es zu Korrosionsschäden an Rohren kommen und Lagerstättenwasser in den Untergrund gelangen. Bestes Beispiel: Emlichheim in Niedersachsen. Hier sind an einer von der Firma Wintershall Dea GmbH betriebenen Bohrstelle zwischen 2014 bis 2018 bis zu 220 Millionen Liter Lagerstättenwasser ins Erdreich gelaufen – wegen verrosteter Leitungen. 

Aus diesem Grund fordern Landaus Grüne, dass Investitionen besser in erneuerbare Energieträger fließen sollten. „Eine Notwendigkeit für den weiteren Ausbau oder gar weitere Förderstätten in der Südpfalz sehen wir nicht. Das ist auch eine Frage der Generationengerechtigkeit: Das Erdöl, das wir heute als Energieträger verbrennen, steht nachfolgenden Generationen nicht mehr als Rohstoff für Wertvolleres zur Verfügung“, so Lea Heidbreder.

“Die heimische Produktion leistet mit einem Anteil von gerade mal drei Prozent am deutschen Erdölbedarf keinen relevanten Beitrag zur Versorgungssicherheit“, so Sven Kaemper, Vorsitzender der Landauer Grünen. „Und auch der Verweis auf die jahrzehntelange Tradition der Erdölförderung in der Südpfalz macht es nicht besser: Hier wird ohne Not die Gefährdung von Grund- und Trinkwasser in Kauf genommen. Es muss klar werden, dass die Förderung von Erdöl in unserer Region keine Zukunft hat.“

Terminhinweis: Für alle Interessierten findet am 14. November 2019 um 19 Uhr ein Infoabend der Bürgerinitiative im Ernst Gutting-Haus in Offenbach statt.

Hintergrund

Die Neptune Energy Deutschland GmbH mit Sitz in Lingen (Ems) ist Teil der Neptune Energy Group, einem weltweit tätigen Unternehmen im Bereich der Förderung und Produktion fossiler Energieträger in der Nordsee, in Nordafrika und Südostasien. Größte Anteilseigner sind mit 49 Prozent die China Investment Corporation – der zweitgrößte Staatsfonds der Welt – sowie die US-amerikanische Carlyle Group (30,6 %), ein multinationaler Finanzinvestor.

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