Präventionsprojekt gegen häusliche Gewalt an Landauer Schulen

Eingereicht für den Stadtrat am 24.03.2026. Angenommen im Stadtrat am 24.03.2026.

Prüfantrag

Der Stadtrat beauftragt die Verwaltung zu prüfen und dem Stadtrat darzustellen,

  1. ob an Schulen in Landau Präventionsprojekte zum Thema häusliche Gewalt umgesetzt werden (können),
  2. ob das im Landkreis Südliche Weinstraße bereits etablierte Präventionsprojekt „Der Wutmann“ für die 6. Klassen auch an Landauer Schulen eingeführt werden kann,
  3. welche organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen hierfür erforderlich sind (z. B. Schulung von Referent*innen),
  4. ob das Präventionsprojekt auch an Förderschulen Anwendung finden kann,
  5. ob eine Finanzierung der Referent*innen über bestehende Strukturen oder geplante Haushaltsposten erfolgen kann.

Die Verwaltung wird gebeten, hierbei insbesondere mit den Gleichstellungsbeauftragen von Landau und SÜW, der Schulsozialarbeit sowie bestehenden Netzwerken gegen häusliche Gewalt zusammen zu arbeiten.

Begründung

Im vergangenen Jahr haben 159 Landauerinnen nach einem Polizeieinsatz im Interventionszentrums gegen häusliche Gewalt Beratung und Unterstützung erhalten. Gleichzeitig haben mehr als 170 Landauer Kinder ihre Eltern als Opfer und als Täter erlebt– das Dunkelfeld ist weitaus größer. Studien zeigen, dass das Miterleben von Gewalt die psychische und physische Gesundheit von Kindern belastet und ihre intellektuelle Entwicklung beeinträchtigt. Die Folgen können unter anderem Schlafstörungen, Schulprobleme, Ängstlichkeit, Aggressivität, Depressionen sowie psychosomatische Erkrankungen sein. Kinder und Jugendliche, die häuslicher Gewalt ausgesetzt waren, tragen zudem ein hohes Risiko, die Beziehungsmuster ihrer Eltern zu wiederholen, also selbst zu Opfern bzw. Tätern zu werden.

Präventions- und Aufklärungsarbeit in Schulen kann dazu beitragen, Kinder über Gewalt in Familien altersgerecht aufzuklären,

  • ihnen zu vermitteln, dass Gewalt in der Familie nicht in Ordnung ist,
  • ihnen aufzuzeigen, wo sie Hilfe bekommen können (sei es für sich selbst oder für andere),
  • und somit langfristig häuslicher Gewalt entgegenzuwirken.

Die Stadt Landau ist durch internationale und nationale Vereinbarungen verpflichtet, Gewaltprävention zu stärken. Die Istanbul-Konvention verpflichtet staatliche Ebenen ausdrücklich zu umfassenden Maßnahmen der Prävention, insbesondere auch in Bildungseinrichtungen. Auch das kürzlich beschlossene Gewalthilfegesetz legt einen besonderen Schwerpunkt auf der Verbesserung und Stärkung des Schutzes von Kindern, die geschlechtsspezifische oder häusliche Gewalt gegenüber nahestehenden Dritten miterlebt haben oder miterleben.

Ein konkretes und bereits erprobtes Präventionsprojekt stellt „Der Wutmann“ dar. Es basiert auf einem preisgekrönten Trickfilm, der das Thema häusliche Gewalt aus der Perspektive eines Kindes behandelt. „Der Wutmann“ richtet sich an die 6. Klassenstufe und umfasst vorbereitende Unterrichtseinheiten, die Filmvorführung sowie eine pädagogisch begleitete Nachbesprechung durch die Schulsozialarbeiter*innen und externe Referent*innen. Das Wutmann-Projekt wurde 2013 u.a. von den Gleichstellungsbeauftragten der Region entwickelt und wird im Landkreis SÜW seitdem erfolgreich umgesetzt. Eine Übertragung auf Landauer Schulen erscheint daher sinnvoll und praktikabel, eine Anpassung für Förderschulen zumindest denkbar. Erforderlich wären vor allem die Schulung geeigneter Referent*innen sowie eine organisatorische Koordination.