Verwundert reibt man sich die Augen: Stolze 150.000 Euro hat der Stadtrat in seiner letzten Sitzung überplanmäßig für die städtische Kultur bereitgestellt – zusätzlich zum bereits verabschiedeten Kulturetat. Ein warmer Geldsegen für die Kulturakteure in unserer Stadt? Weit gefehlt.
Eingesetzt werden sollen die Gelder für zwei (!) Konzerte mit internationalen Klassik-Stars, die 2027 und 2028 in der Festhalle stattfinden sollen.
Kulturdezernent Dr. Dominik Geißler spricht – mal wieder – von „Leuchtturmveranstaltungen“ mit „erheblicher überregionaler Strahlkraft“, man wolle an den Erfolg des Konzerts mit Igor Levit anknüpfen und die Wahrnehmung Landaus als anspruchsvollen Kulturstandort stärken. Von einer „gezielten Investition in die kulturelle Profilbildung der Stadt“ ist die Rede. Wie dieses Profil aussehen soll, verrät er allerdings nicht.
Echte Begeisterung will im Stadtrat nicht so recht aufkommen, doch man möchte auch nicht als Kulturverhinderer dastehen und so wird nach kurzer Diskussion mehrheitlich zugestimmt. Wer nicht gefragt wurde: Der für solche Angelegenheiten zuständige städtische Kulturausschuss. Dafür sei – leider, leider – keine Zeit, denn die Sache eilt, so sei das nunmal bei solch großen Namen.
Dabei gäbe es einige Fragen, die man im Zusammenhang mit kulturellen Großprojekten stellen könnte: Braucht es zusätzlich zum städtischen Festhallenprogramm wirklich noch weitere, durch die Stadt finanzierte klassische Konzerte? Ist deren Strahlkraft wirklich so groß wie behauptet und was haben wir als Stadt davon, außer einer für einen Abend gut gefüllte Festhalle? Muss Landau in Sachen Kultur ernsthaft in Konkurrenz zu Mannheim, Heidelberg oder Karlsruhe treten? Und schließlich: Was soll mit den von der Verwaltung erwarteten Überschüssen passieren? Der Topf der städtischen Kulturförderung stünde bereit.
Die Debatte im Stadtrat zeigt einmal mehr, wohin das Fehlen kulturpolitischer Ziele führt: Zu einer Kulturpolitik nach Gutsherrenart, die heute so und morgen so agiert. Jene „Leitplanken“, wie sie die Landauer CDU an anderer Stelle gerne fordert, stünden der städtischen Kulturarbeit gut zu Gesicht.
Sven Kaemper
Vertreter der Bürgerschaft im Kulturausschuss
(für Bündnis 90/DIE GRÜNEN)